Vier Phasen, ein Monat: Was in deinem Zyklus eigentlich passiert
Periode, Follikelphase, Eisprung, Lutealphase. Warum die erste Zyklushälfte stark schwankt und die zweite erstaunlich gleich lang bleibt.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Zyklus beginnt mit dem ersten Tag der Periode und endet am Tag vor der nächsten.
- Als normal gelten Zyklen zwischen 24 und 38 Tagen.
- Unterschiede in der Zykluslänge entstehen vor allem in der ersten Hälfte, also vor dem Eisprung.
Der Zyklus wird gern als Uhr beschrieben, die alle 28 Tage von vorn beginnt. Tatsächlich ist er eher ein Zusammenspiel aus Gehirn, Eierstöcken und Gebärmutter, das sich jeden Monat neu abstimmt. Wer die vier Phasen kennt, versteht vieles besser: warum sich die Periode verschiebt, warum die Temperatur steigt und wann die fruchtbaren Tage liegen.
1. Die Periode
Tag 1 des Zyklus ist der erste Tag mit richtiger Blutung, nicht der Tag mit leichten Schmierblutungen davor. Die Gebärmutterschleimhaut, die sich im letzten Zyklus aufgebaut hat, wird abgestoßen. Als normal gilt eine Blutung von bis zu acht Tagen.
2. Die Follikelphase
Schon während der Periode beginnt die nächste Runde. Die Hirnanhangdrüse schüttet das follikelstimulierende Hormon FSH aus, im Eierstock reifen mehrere Follikel, meist setzt sich einer durch. Er bildet Östrogen, das die Gebärmutterschleimhaut wieder aufbaut und den Zervixschleim verändert.
Diese Phase ist der flexible Teil des Zyklus. In einer Auswertung von mehr als 600.000 Zyklen dauerte sie im Mittel 16,9 Tage, mit großen Unterschieden zwischen den Frauen.
3. Der Eisprung
Ist der Follikel reif, löst ein steiler Anstieg des luteinisierenden Hormons LH den Eisprung aus. Die Eizelle wandert in den Eileiter und kann dort etwa 12 bis 24 Stunden lang befruchtet werden. Zusammen mit den fünf Tagen davor ergibt das das fruchtbare Fenster. Warum es selten genau an Tag 14 liegt.
4. Die Lutealphase
Aus dem leeren Follikel entsteht der Gelbkörper. Er bildet Progesteron, das die Schleimhaut auf eine mögliche Einnistung vorbereitet und die Basaltemperatur anhebt. Kommt es zu keiner Schwangerschaft, bildet sich der Gelbkörper zurück, der Hormonspiegel sinkt und die nächste Periode beginnt.
In derselben großen Auswertung dauerte die Lutealphase im Mittel 12,4 Tage und schwankte deutlich weniger als die Follikelphase.
Die zweite Zyklushälfte ist erstaunlich verlässlich. Die erste bestimmt, wann der Eisprung kommt.
Was als normal gilt
Die internationale Gynäkologenvereinigung FIGO beschreibt Zyklen zwischen 24 und 38 Tagen als normal. Auch bei derselben Frau sind Schwankungen von Monat zu Monat üblich. Stress, Schlafmangel, Reisen, Krankheit oder große Gewichtsveränderungen können den Eisprung verschieben und damit den ganzen Zyklus.
Wer seinen Zyklus über ein paar Monate beobachtet, lernt das eigene Muster kennen. Am verlässlichsten gelingt das mit Körperzeichen wie Temperatur und Zervixschleim statt mit einer reinen Kalenderrechnung.
Wann ärztlicher Rat sinnvoll ist
Lass dich beraten, wenn deine Periode mehrere Monate ausbleibt, ohne dass du schwanger bist, wenn sich dein Zyklus plötzlich stark verändert oder wenn sehr starke Blutungen oder Schmerzen dich im Alltag einschränken.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Quellen
- Munro MG, Critchley HOD, Fraser IS; FIGO Menstrual Disorders Committee. The two FIGO systems for normal and abnormal uterine bleeding symptoms and classification of causes of abnormal uterine bleeding in the reproductive years: 2018 revisions. Int J Gynaecol Obstet. 2018;143:393–408.
- Bull JR, Rowland SP, Scherwitzl EB et al. Real-world menstrual cycle characteristics of more than 600,000 menstrual cycles. npj Digital Medicine. 2019;2:83.
- Wilcox AJ, Dunson D, Baird DD. The timing of the “fertile window” in the menstrual cycle: day specific estimates from a prospective study. BMJ. 2000;321:1259–1262.

